Kurze Freude der Querdenker — mdr Umschau

Bescherung ist ja eigentlich erst am übernäch­sten Woch­enende, aber die deutsche Impfgeg­n­er-Szene hat ihr Wei­h­nachts­geschenk schon bekom­men.

Geliefert hat es lei­der der MDR, und zwar am Dien­stag in der Prime Time in der Sendung “Umschau” mit einem Beitrag unter dem Titel “Coro­na-Impf­stoff in der Kri­tik”.

Es gab tage­lang vorher in Quer­denker-Kreisen Aufre­gung wegen dieses Beitrags, zig Posts bei Telegram, Twit­ter etc. Endlich werde die Wahrheit verkün­det. Der rel­a­tiv bekan­nte Ultra­rechte Markus Krall postete zum Beispiel drei Tage vorher: “Soeben erfahre ich von Prof. Dr. Suchar­it Bhak­di: Am 12. Dezem­ber um 20.15 wird auf MDR der ganze Skan­dal der Covid-Imp­fung enthüllt. Wir dür­fen ges­pan­nt sein.”

Ent­ge­gen den Darstel­lun­gen auf der Unternehmensweb­seite der MMD GmbH & Co. KG beste­ht seit 2013 zwis­chen Frau König und dem Insti­tut für Medi­zinis­che Mikro­bi­olo­gie und Kranken­haushy­giene der Medi­zinis­chen Fakultät der Otto-von-Guer­icke-Uni­ver­sität Magde­burg hin­sichtlich Forschung, Lehre und Kranken­ver­sorgung keine Verbindung. Die auf der Unternehmensweb­seite aufge­führte Posi­tion „Head of the depart­ment of mol­e­c­u­lar diag­nos­tics and mol­e­c­u­lar micro­bi­ol­o­gy“ existiert nicht.

Medi­zinis­che Fakultät der Otto von Guer­icke Uni­ver­sität Magde­burg

Die im Beitrag und auf ihrer Web­seite ver­bre­it­ete Beze­ich­nung als „externe Pro­fes­sorin“ existiert offiziell nicht. Doch diese Beze­ich­nung schaffte es nicht nur in den Beitrag beim MDR, son­dern unter anderem auch in den Cicero. Übri­gens noch deut­lich vor Ausstrahlung des Beitrags in der MDR Umschau. Die „Querdenken“-Initiative des World Coun­cil for Health ver­bre­it­ete die Angaben in gle­ich zwei Beiträ­gen mit Nen­nung von Brigitte König. König trat im Rah­men der Ini­tia­tive zusam­men mit Suchar­it Bhak­di auf, so Psir­am. Derzeit läuft gegen Bhak­di ein Ver­fahren wegen mut­maßlich­er Volksver­het­zung. Ein früheres Ver­fahren wurde für ihn pos­i­tiv entsch­ieden, doch die Gen­er­al­staat­san­waltschaft in Kiel legte Beru­fung ein.

Bere­its wenige Stun­den nach der Veröf­fentlichung des Videos von Dr. Janosch Hegedüs gab es erste Ein­wände auf Twit­ter. Auf­grund der Löschung des mdr Umschau Beitrages aus der Mediathek, ver­bre­it­en nun Quer­denker und AfD Pro­tag­o­nis­ten Kopi­en zugun­sten ihrer Pro­pa­gan­da.

Als einzige kri­tis­che Stimme blendet der Beitrag in der MDR Umschau ein Zitat des Moleku­lar­biolo­gen Emanuel Wyler ein. Er sieht in der Unter­suchung einen Ver­such „Imp­fun­gen (…) grund­sät­zlich in Zweifel zu ziehen, oder Stim­mung zu machen mit dem The­ma Coro­na.“ Für den Beitrag wurde ver­sucht eine Rei­he von Ein­rich­tun­gen anzuschreiben, um die Ergeb­nisse zu über­prüfen. Diese antworteten entwed­er nicht oder sagten ab.

Für den Wis­senschaft­skom­mu­nika­tor und Arzt Dr. Janos Hegedüs ist das – so dieser in einem von ihm zum The­ma auf seinem YouTube-Kanal pub­lizierten Video – auch keine Über­raschung. „Außer­dem ist es eine selt­same Logik zu sagen, dass jed­er her­zlich ein­ge­laden ist, sie zu besuchen. Frau König, Sie haben eine Behaup­tung aufgestellt und tra­gen daher die Beweis­last. Sie hät­ten Ihre Mes­sun­gen klar und trans­par­ent doku­men­tieren und der wis­senschaftlichen Gemein­schaft zur Diskus­sion stellen müssen. Es wäre ange­bracht die Zeit Ihrer Kol­le­gen zu schätzen und nicht zu erwarten, dass diese ohne trifti­gen Grund Zeit für Diskus­sio­nen opfern.

Gegenüber Janos Hegedüs gab Brigitte König an: „… wir haben die Dat­en noch nicht pub­liziert. Ich gehe aber davon aus, dass diese Dat­en sich nicht für eine Pub­lika­tion eignen – sie zeigen keine neue [sic!] Tech­niken oder Dat­en.“ In seinem Video zieht Hegedüs diese Aus­sage in Zweifel. „Solche Ergeb­nisse wären nor­maler­weise eine Pub­lika­tion wert.“ Laut Jür­gen Kirch­n­er strebe Frau König derzeit den­noch eine wis­senschaftliche Pub­lika­tion zur The­matik an. Ob sie sich dabei jedoch auf die Dat­en der Unter­suchung stützt, beant­wortete mir Brigitte König auf Anfrage bis­lang nicht.

Aus der Kolumne: Das Altpapier am 14. Dezember 2023

“Wir sind in einem Pri­vat­la­bor in Magde­burg. Pro­fes­sorin Brigitte König unter­sucht hier Coro­na-Impf­stoffe. Das Ergeb­nis: Alle Proben sind verun­reinigt. Mit Fremd-DNA, die in dieser Menge nicht in den Impf­stoff gehört.”

mdr Umschau

“Im Okto­ber 2023 trat Brigitte König bei ein­er Ver­anstal­tung der Impfgeg­n­er-Gruppe World Coun­cil For Health auf, zusam­men mit Suchar­it Bhak­di (…) Die World Coun­cil For Health ver­bre­it­et frag­würdi­ge und desin­formierende Infor­ma­tio­nen zu Imp­fun­gen gegen die COVID-19-Krankheit. Sie propagiert zudem umstrit­tene oder wirkungslose Behand­lun­gen der COVID-19 Krankheit (…)”  

Wiki Ein­trag zu Brigitte König — Psir­am

“(Der Beitrag) unter­schlägt (…) alarmierende Infor­ma­tio­nen zur Per­son der Labor­lei­t­erin Brigitte König. Sie wird lediglich als ‘externe Pro­fes­sorin an der Medi­zinis­chen Fakultät der Uni­ver­sität Magde­burg’ vorgestellt. König (…) agiert aber seit Jahren in dubiosen qua­si-medi­zinis­chen Kreisen.”

Tobias Prüw­er kri­tisiert im Leipziger Stadt­magazin

Dass der Beitrag “das Ver­trauen in den Öffentlich-rechtlichen Rund­funk” schmälere und das “das The­ma Coro­na-Imp­fung beim MDR nicht das erste Mal jour­nal­is­tisch unsauber ange­gan­gen” wor­den sei — das bemerkt Prüw­er dann noch. Dem Schrottpor­tal “Tag 24” ist all dies natür­lich schi­ete­gal, es spitzt den MDR-Beitrag boule­vardis­tisch zu:

“Ger­ade noch hat der Gesund­heitsmin­is­ter beson­ders Risikopa­tien­ten zur Auf­frischungsimp­fung ger­at­en. Jet­zt ste­ht jedoch ein Coro­na-Impf­stoff in der Diskus­sion, nach­dem ein Magde­burg­er Labor Verun­reini­gung fest­stellen kon­nte. Was das für den Men­schen bedeutet, erk­lärt das MDR-Mag­a­zin ‘Umschau’.”

Ärg­er noch als das Ver­bre­it­en von Königs The­sen: Gegen Ende des Beitrags wird als “bis­lang let­zter Akt der Debat­te” ein an Ärzte gerichtetes betrügerisches Warn­schreiben in Sachen “DNA-Kon­t­a­m­i­na­tio­nen” beze­ich­net. Die “Phar­mazeutis­che Zeitung” äußerte sich zu diesem Schreiben unter anderem so:

“Die Arzneimit­telkom­mis­sion der Deutschen Apothek­er (AMK) hat nach eige­nen Angaben das Paul-Ehrlich-Insti­tut (PEI) informiert – ‘auch auf­grund der unabges­timmten Ver­wen­dung des Rote-Hand-Sym­bols, wodurch eine formelle Gültigkeit als Risikoin­for­ma­tion sug­geriert wird’. Natür­lich ver­sicherte das PEI auf Nach­frage, an der Erstel­lung dieses Schreibens nicht beteiligt gewe­sen zu sein. Es wür­den nun rechtliche Maß­nah­men geprüft, so die AMK.”

Mit anderen Worten: Als Beitrag zu ein­er “Debat­te” beze­ich­net die “Umschau” hier einen Wisch, der unge­fähr die Sub­stanz ein­er Post­wurf­sendung hat, in der eine Sek­te Men­schen auf­fordert, in den näch­sten 24 Stun­den einen Bunker aufzusuchen, weil mor­gen die Atom­bombe fällt. Goldig dann noch ein weit­er­er Satz, dessen Beginn sich auf eine im Beitrag erwäh­nte Unter­suchung bezieht:

“Ob diese Analyse allerd­ings zutrifft und vor allem, ob die mut­maßliche DNA-Belas­tung Schaden anricht­en kann — diese Fra­gen kon­nten wir als Redak­tion allerd­ings nicht abschließend beant­worten.”

Okay, Fre­unde, wenn ihr nicht wisst, ob die Behaup­tun­gen, die ihr ver­bre­it­et, stich­haltig sind, und wenn ihr nicht wisst, ob sie dann, wenn sie stich­haltig wären, auch rel­e­vant wären, dann soll­tet ihr diese Behaup­tun­gen gar nicht erst ver­bre­it­en, vor allem nicht, wenn es um Leben und Tod geht.

Quellen: